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Ist meine Idee förderbar?

Fachtagung "Abbau von Barrieren"

Siluetten von Menschen die gehandicapt sind

 

Barrierefreiheit bedeutet Lebensqualität -  viele Menschen stoßen im alltäglichen Leben auf Barrieren, dabei ist die Barrierefreiheit eine gesetzlich vorgeschriebene Notwendigkeit um ALLEN Menschen diese Lebensqualität in den Gemeinden bieten zu können. Die LEADER Region Weinviertel Ost hat aus diesem Anlass am 14.6.2016 eine Fachtagung zu dieser Thematik veranstaltet. Hier findest du in fünf Fachartikeln die Erkentnisse der Tagung.

 

In Österreich sind lt. Statistik Austria rund 1,7 Millionen Menschen dauerhaft gesundheitlich eingeschränkt, das entspricht einem Fünftel der Gesamtbevölkerung. Seit 1.1.2016 darf es für sie keine Hindernisse in öffentlichen Gebäuden mehr geben. Beschlossen wurde das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz bereits 2006, um genügend Zeit für Adaptierungen zu haben, trat es erst mit 2016 im vollen Umfang in Kraft.

Alle Menschen haben das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Auch Menschen mit Behinderung.

Die Barrierefreiheit ermöglicht allen Menschen – mit und ohne Behinderung – die uneingeschränkte Nutzung von Dienstleistungen, Einrichtungen und Gegenständen im täglichen Leben. Das bedeutet, dass jeder Mensch ungehindert, ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe überall hingelangen kann und alles ungehindert nutzen kann.

 

Barrieren liegen nicht nur in baulicher Art vor, sie finden sich auch im Verkehrsbereich, im Bereich der Kommunikation und der Informationstechnologie, aber auch soziale Barrieren spielen eine Rolle.

 

Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht!

Aber wie bei vielen anderen Gesetzen auch, wird zu aller erst einmal an die Verbote und Verpflichtungen durch die Gesetzgebung gedacht. Wie viele Menschen eigentlich davon profitieren wird vielleicht erst bei genauer Analyse des Themas bekannt.

Die Formel 15 – 40 – 100 macht klar deutlich: Was für 15 Prozent der Bevölkerung unentbehrlich ist – etwa für Menschen im Rollstuhl – ist für 40 Prozent, etwa mit Gehbehinderung, Verletzungen oder Kinderwägen, nützlich und schließlich für 100 Prozent – also für alle – einfach komfortabel!

Machen wir unsere Gemeinden doch gemeinsam barrierefrei und sorgen so für eine hohe Lebensqualität für wirklich ALLE Bürger.

 

Und – Barrierefreiheit ist kein Schreckgespenst, es gibt Gesetze und Normen dafür, aber meistens reicht ein bisschen Hausverstand und man findet eine praktikable Lösung für jedes Problem. Unakzeptabel ist lediglich bei Neuerrichtungen nicht von Anfang an an Barrierefreiheit zu denken!

Zusammenfassung Fachtagung "Abbau von Barrieren"

FACHARTIKEL ZU DEN TAGUNGSTHEMEN:

Rechtliche Grundlagen zur Barrierefreiheit in Österreich und Niederösterreich

 

Für Menschen mit Behinderungen ist Barrierefreiheit eine notwendige und gesetzlich gebotene Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die rechtliche Grundlage liefern die UN-Behindertenrechtskonvention, sowie Bundes- und Landesgesetze.

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Die derzeitige Rechtslage in Österreich, zwischen UN-Konvention, EU-, Bundes- und Landesgesetzen, ist für den Laien gar nicht so leicht zu verstehen. Die wohl bekannteste Gesetzgebung im Bereich der Barrierefreiheit ist das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz.

Eines haben definitiv alle gemeinsam, für Menschen mit Behinderungen ist Barrierefreiheit eine notwendige und gesetzlich gebotene Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben!

Aber sie ist auch für Familien mit Kindern, Personen nach Krankheit oder Unfall, altersbedingt mobilitätseingeschränkte Personen und Personen mit schwerem Gepäck eine Notwendigkeit. „Für alle weiteren Personen sei sie ein zusätzlicher Komfortgewinn: 90 Prozent benützen Rolltreppe und Lift, weil es einfach bequem ist“, erläuterte Dr. Erwin Buchinger als Bundesbehindertenanwalt im Rahmen der Fachtagung „Abbau von Barrieren“.

 

Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz

Der Geltungsbereich des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes liegt im Verwaltungsbereich des Bundes sowie beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zu Verfügung stehen.
Am Beispiel einer Gemeinde bedeutet dies
1) alle Aufgaben, die Gemeinden im übertragenden Wirkungsbereich des Bundes (Vollziehung von Bundesgesetzen) wahrnehmen, müssen barrierefrei zugängig sein.
2) sofern Gemeinden im Rahmen von Privatwirtschaftsverwaltungen tätig werden (z.B. Betreiber eines Schwimmbades) diese Dienstleistungen barrierefrei auszuführen sind.

Ziel des Bundes-Behindertengleichstellunggesetzes ist es, die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung zu beseitigen oder zu vermindern. Eine Diskriminierung liegt vor wenn Menschen mit Behinderung gegenüber anderen Personen in besonderer Weise benachteiligt sind. Es kann jedoch auch keine Diskriminierung vorliegen
- wenn es rechtmäßige Gründe gibt, die sachlich gerechtfertigt, angemessen und erforderlich sind.
- wenn die Beseitigung der Barriere rechtswidrig ist oder unzumutbar aufgrund einer unverhältnismäßigen Belastung ist. Hier muss allerdings durch zumutbare Maßnahmen eine maßgebliche Verbesserung der Situation im Sinne einer Annäherung an eine Gleichstellung erfolgen.

 

NÖ Landesgesetzgebungen zur Barrierefreiheit

In der niederösterreichischen Landesgesetzgebung gibt es derzeit das NÖ Antidiskriminierungsgesetz, dass den Zugang von behinderten Menschen zu selbstständiger Erwerbstätigkeit sowie den Zugang zu Berufsausbildung, beruflicher Weiterbildung, Berufspraxis und beruflicher Umschulung (sofern dies in der Kompetenz des Landes liegt) regelt.

Die bauliche Barrierefreiheit regelt in Niederösterreich die NÖ Bauordnung und die NÖ Bautechnikverordnung. Dabei ist Barrierefreiheit eines der sechs Grundanforderungen an Bauwerke. In Bezug auf Gemeinden müssen lt. Bauordnung 2014 barrierefrei ausgeführt werden: Dienststellen der Gebietskörperschaften mit Parteienverkehr (mit zumindest einem erreichbaren Raum für Menschen mit eingeschränkter Mobilität), Schulen, Kindergärten, Einrichtungen für den öffentlichen Verkehr, öffentliche Toiletten, Gebäude für Menschenansammlungen von mehr als 120 Personen und mind. ein Gebäudeeingang bei Gebäuden mit mehr als 2 Wohnungen. Dies betrifft alle Neuerrichtungen, Zu- und Umbauten, bauliche Abänderungen sowie die Änderung des Verwendungszwecks. Eines muss an dieser Stelle jedoch festgehalten werden, ein einhalten der NÖ Baugesetze gibt noch keine Sicherheit, dass auch das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz eingehalten ist.

Eine Gesetzgebung als Gegenstück zum Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz gibt es in Niederösterreich derzeit noch nicht (welches die Gleichstellung im Verwaltungsbereich des Landes bringt), geplant ist ein in Kraft treten einer Judikatur 2017. Diese Tatsache schafft derzeit daher leider zum Teil rechtliche Lücken!

 

Rechtsfolgen

Nach aktuellem Recht gibt es keinen Anspruch auf Unterlassung oder Beseitigung von Barrieren. Im Falle einer Diskriminierung kann der Anspruch auf Schadensersatz geltend gemacht werden (Ausnahme Arbeitswelt). Die Beweislast für eine Diskriminierung liegt immer bei der schädigenden Person/Organisation und nie bei der Diskriminierten. Das in Niederösterreich gerade diskutierte Landesgesetz zur Gleichstellung soll hier eventuell eine Verbesserung bringen.

 

 

Wir danken Dr. Erwin Buchinger (Anwalt für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderung), Mag. Claudia Camerloher (Amt der NÖ Landesregierung – NÖ Gleichbehandlungsbeauftragte) und DI Dieter Schnaufer (Amt der NÖ Landesregierung - Abteilung Bau- und Anlagentechnik (BD2), Amtssachverständiger für Bautechnik) für seinen Beitrag zu Barrierefreien Kommunikation im Rahmen der Fachtagung „Abbau von Barrieren“ am 14. Juni 2016 im MAMUZ Mistelbach.

Barrierefreiheit – Wen betrifft das?

 

Barrierefreiheit ist unverzichtbar für Menschen mit Behinderungen. Dabei sind nicht immer nur die rund 50.000 Rollstuhlfahrer gemeint. In Österreich leben auch gut 10.000 Menschen die blind sind, 10.000 Gehörlose und etliche Personen mit schweren nervlichen Problemen oder Lernschwierigkeiten.

Notwendig ist Barrierefreiheit aber auch für junge Familien mit Kinderwagen, eingeschränkte Personen nach einem Unfall oder die "Generation 70plus".

Barrierefreiheit ist zusammenfassend sicherlich ein Komfortgewinn für alle!

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Barrierefreiheit nützt allen! Das wird nicht immer gleich erkannt, bei näherer Betrachtung wird aber rasch klar: Auf Barrieren stößt früher oder später jede(r) – es geht lediglich um Art, Umfang und Dauer der Betroffenheit. Permanente Behinderungen, vorübergehende Beeinträchtigungen etwa nach Unfällen oder schlicht Veränderungen, die das Älterwerden mit sich bringen. Je nach Lebenslage kann man rasch vor großen oder kleinen Barrieren stehen. Viele davon wären auch vermeidbar.

 

Unverzichtbar für Menschen mit Behinderungen

Unverzichtbar ist Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen. Auswirkungen nicht vorübergehender körperlicher, geistiger oder psychischer Funktionsbeeinträchtigungen oder Beeinträchtigungen der Sinnesfunktionen erschweren ihnen die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft enorm. Wer hier nur an Rollstuhlfahrer denkt, verkennt die Lage. Körperliche Behinderungen, Sinnesbehinderungen (Blindheit, Schwerhörigkeit, etc.), Sprachbehinderungen, psychische (seelische) Behinderungen sowie kognitive Behinderungen einschließlich Lernbehinderungen umfassen eine weitaus größere Gruppe an Personen. Denn die 50.000 österreichischen RollstuhlbenutzerInnen zählen zu 1 Million Menschen mit Bewegungseinschränkungen. 300.000 ÖsterreicherInnen leben mit einer Sehbehinderung, 10.000 davon sind blind. Je 200.000 Menschen haben eine Hörbehinderung oder seelische bzw. nervliche Probleme. 100.000 ÖsterreicherInnen haben Lernschwierigkeiten.

Rund ein Fünftel der Bevölkerung Österreichs - das sind 1,7 Mio. Menschen – gab im Rahmen einer Umfrage (Mikrozensus 2007, Statistik Austria) über sich selbst an, dass sie dauerhaft gesundheitlich eingeschränkt sind. Davon sind 600.000 Menschen von schweren Einschränkungen betroffen. Für sie ist ein selbstbestimmtes Leben nur in einer barrierefreien Umwelt möglich. Barrierefreiheit wird oft auf physische - also bauliche Aspekte reduziert. Hier liegen auch die meisten Standards und Normen vor. Daneben sind aber auch die kommunikative, die intellektuelle und die soziale Barrierefreiheit nicht zu vernachlässigen.

Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, wie Hilfsmittel Hindernisse und Gefahren für Menschen mit Behinderungen beseitigen. Induktive Höranlagen, optische Feuermelder oder der Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern bei Veranstaltungen oder in Kurzfilmen gehören ebenso dazu, wie taktile Leitsysteme, akustische Ampelsignale oder tastbare Pläne. Einfache Tipps wie die Einhaltung ausgeprägter Kontraste oder der Verzicht auf kleine Schriftgrößen helfen etwa Sehbeeinträchtigten, sind aber auch für Sehende praktisch. Leidvolle Erfahrungen machen blinde Menschen beispielsweise mit Drehtüren oder mit Verkehrszeichen und Briefkästen, die in Gehwege ragen. Diese können mit dem Blindenstock nicht erfasst werden und werden zur Falle. Etwas mehr Sensibilität dafür, wie Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen die Welt wahrnehmen und erleben, würde viele Probleme lösen oder erst gar nicht entstehen lassen. Sensibilisierungsworkshops oder sogenannte „barrierefreie Dorfbegehungen“ können hier wertvolle Einblicke und Erkenntnisse liefern.

 

Notwendig für rund 40% der Bevölkerung

Notwendig und hilfreich ist Barrierefreiheit für rund 40% der Bevölkerung. Denn zählt man zu der oben genannten Gruppe Menschen mit vorübergehenden Behinderungen, junge Familien mit Kinderwägen, Buggys und sonstigen Mobilitätshilfen und die „Generation 70plus“ hinzu, so spricht man rund 3,4 Mio. ÖsterreicherInnen an. Und der Blick auf die demografische Entwicklung des Landes zeigt: Österreich altert. Der Anteil der älteren Bevölkerungsgruppen steigt auch in den nächsten Jahrzehnten. Etwa 2030 wird ein Viertel der ÖsterreicherInnen 65 Jahre oder älter sein. Das bedeutet auch, dass jene Altersgruppen, denen eine barrierefreie Umgebung notwendige Vorteile bietet in absoluten Zahlen sowie als Anteil der Gesamtbevölkerung zunehmen.

Das östliche Weinviertel liegt hier durchaus im Trend: Anhand der aktuelle Bevölkerungspyramide lässt sich erkennen, dass die stärksten Jahrgänge heute (also 2015/2016) durch 45-55jährige repräsentiert werden. In 15-20 Jahren (also ca. 2030 bzw. 2035) wird diese Gruppe 65 Jahre oder älter sein. So steigt der Anteil der 65plus-jährigen auch in der LEADER Region Weinviertel Ost von heute 20 Prozent auf etwa 25 Prozent im Jahr 2035. In einer Gemeinde mit 1000 Einwohnern werden im Jahr 2035 daher im Schnitt 250 Personen 65 Jahre oder älter sein. Auch für junge Familien ist Barrierefreiheit eine deutliche Erleichterung. Daher stellt sich für Gemeinden zunehmend die Frage: „Warum eigentlich nicht barrierefrei?“

 

Ein Komfortgewinn für alle

Ein barrierefreier Zugang zu öffentlichen Einrichtungen, klare und hürdenlose Wegeführungen und Leitsysteme, unkompliziert annehmbare Dienstleistungen sowie verständliche und übersichtlich aufbereitete Informationen kommen allen zugute. Je nach (momentaner) Lebenslage ist das eine oder andere auch notwendig oder unverzichtbar. Ein Komfortgewinn ist es immer!

Technische Umbauten wie Rampen oder Fahrstühle sind mögliche, manchmal auch notwendige Maßnahmen. Der Abbau von Barrieren kann und soll aber auch in vielen anderen Bereiche und auf verschiedenste - oft kostengünstige - Art und Weise erfolgen. Es gilt aufgeschlossen für die Bedürfnisse und Sichtweisen unterschiedlicher Gruppen zu sein und auf das Nicht-Offensichtliche aufmerksam zu werden.

Barrierefreiheit umsetzen bedeutet daher nicht nur die gesetzlichen Vorgaben des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes zu erfüllen. Es ist auch eine Möglichkeit die Lebensqualität für alle Bewohner und Gäste einer Region zu erhöhen. „Warum eigentlich nicht mehr Lebensqualität bieten?“

 

 

Wir danken Harald Fiedler, Ing. Alfred Luger und Mag. Eva-Maria Speta für ihre Beiträge zur Darstellung der vielfältigen Herausforderungen und Chancen zur Barrierefreiheit im Rahmen der Fachtagung „Abbau von Barrieren“ am 14. Juni 2016 im MAMUZ Mistelbach.

Barrierefreiheit im öffentlichen Raum - Perspektiven aus der Praxis

 

Der öffentliche Raum muss für alle Menschen da sein! Um diesen Grundsatz auch nachkommen zu können, bedarf es den Anforderungen für eine barrierefreie Nutzung. Ansonsten kann es vorkommen, dass Menschen mit Einschränkungen von öffentlichen Gebäuden, Parks, Hauptplätzen, Straßen, Bushaltestellen, etc. ausgeschlossen sind.

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Als öffentlicher Raum werden im Wesentlichen jene Strukturen und Einrichtungen verstanden, die einer Gemeinde oder einer Körperschaft öffentlichen Rechts gehören und der Öffentlichkeit mehr oder weniger frei zugänglich sind. Oft werden sie auch von der Gemeinde bewirtschaftet und unterhalten. Im Allgemeinen fallen öffentliche Gebäude samt Nebenflächen, öffentliche Verkehrsflächen für Fußgänger, Fahrrad- und Kraftfahrzeugverkehr, aber auch Platzanlagen sowie Grün- und Parkflächen darunter.

 

Öffentliche Räume gibt es in allen Kulturen. Wenngleich sie meist als physikalisch-gebaute Infrastruktur verstanden werden, sind sie vor allem Orte der Begegnung, des sozialen Ausgleichs, der vielfältigen Interaktion und der Identifikation. Sie dienen als Bühne der Gesellschaft, wirken auch als Erholungs- und Freizeitraum und werden nicht zuletzt gerne als Visitenkarte der jeweiligen Gemeinde bzw. Gesellschaft gesehen.

Daher muss eine optimale Nutzbarkeit für möglichst breite Bevölkerungsteile oder aber für bestimmte Zielgruppen zu den obersten Anforderungen für den öffentlichen Raum gehören. Die konkrete Ausgestaltung öffentlicher Räume und Angebote entscheidet maßgeblich darüber, durch wen sie auch tatsächlich genutzt werden können. Gut plant und gestaltet nur, wer die Ansprüche und Anliegen der Zielgruppen und der Betroffenen kennt.

 

Beteiligungsformen und -methoden variieren von Fall zu Fall. Die Einbeziehung unmittelbarer Anrainer sowie vorrangig betroffener Vereine, Organisationen und Interessenvertretungen steht meist im Vordergrund. Befragungen, öffentliche Diskussionen und andere Beteiligungsangebote an alle Interessierte sind mindestens genauso wichtig und bringen zusätzliche Aspekte und Sichtweisen.

Auch die intensivste Beteiligung kann die Vermeidung unterschiedlicher Barriereeffekte nicht garantieren. Daher ist ein klares Bekenntnis zur Barrierefreiheit schon im Zuge der Planung öffentlicher Räume unverzichtbar. Die Möglichkeiten auf spezielle Zielgruppen näher einzugehen sind vielfältig und reichen von der Rücksichtnahme auf deren Bedürfnisse bis zu spezifischen Einrichtungen und Angeboten. Beispiele von Platz- oder Parkgestaltungen aus Gerersdorf, Wr. Neudorf oder Mödling lassen auch erkennen, dass die individuellen Anforderungen, die öffentliche Räume von Fall zu Fall haben, maßgeblich von den vor Ort betroffenen und handelnden Personen geprägt werden.

 

Normen und technische Ausführungsempfehlungen von Gehwegen und Straßenräumen bis hin zu barrierefreien Leitstrukturen und Gastgärten stehen heute als wertvolle Grundlagen zur Verfügung. Sie beziehen sich vorrangig auf die bauliche (physische) Barrierefreiheit, die heute als Grundanforderung für öffentliche Räume zu verstehen ist. Das eigentliche Ziel besteht jedoch darin, möglichst alle Menschen am gesellschaftlichen Leben (im öffentlichen Raum) teilhaben zu lassen. Es gilt daher stets auch Wege für den Abbau kommunikativer und sozialer Barrieren im öffentlichen Raum zu finden. Dazu bedarf es in der Regel individueller Überlegungen und Lösungen.

 

Für eine umgreifende und kontinuierliche Umsetzung der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum empfiehlt sich die Erstellung von Leit- und Etappenplänen auf Gemeindeebene. Ein kritischer Blick auf das Umfeld öffentlicher Einrichtungen, Ausführungsstandards etwa für Straßenquerungen und Gehwege, der Umgang mit etwaigen Behinderungen (durch Verkehrszeichen, Laternenmasten, u.ä.) und eine begleitende Berücksichtigung der Barrierefreiheit bei anstehenden Bauprojekten haben sich beispielsweise in der Stadtgemeinde Hollabrunn besten bewährt. Darüber hinaus sind Kosten-Nutzen-Überlegungen, die Überprüfung umgesetzter Maßnahmen unter Einbindung betroffener (Rollstuhlfahrer, blinde Menschen, etc.) sowie baustellenverantwortlicher Personen (ausführende Firmen, etc.) und die laufende Nachführung des Leit- und Etappenplanes zu empfehlen.

 

Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr

Das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz führt unter anderem auch die Notwendigkeit an (öffentliche) Verkehrsmittel barrierefrei zugänglich zu machen, sodass sie für Menschen mit Behinderungen ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe nutzbar sind. Das ist gleichzeitig ein Komfortgewinn für alle Nutzer.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben eine strategische Steuerungsplattform zum Abbau von Barrieren eingerichtet und Barrierefreiheit im Etappenplan Verkehr aufgenommen. Der kontinuierliche Ersatz alter Zuggarnituren durch moderne, barrierefreie Modelle und die Erneuerung der Bahnhöfe im Rahmen der Bahnhofsoffensive gehören zu den auffälligsten Maßnahmen. Im Jahr 2025 sollen 270 Bahnhöfe und Haltestellen barrierefrei ausgeführt sein. Damit werden 90 Prozent der Fahrgäste erreicht.

Behindertenparkplätze, Aufzüge, Rampen, intelligente und taktile Wegeleitsysteme, integrierte Rollstuhlhilfen und entsprechende WC-Anlagen gehören zum Ausbauprogramm der Bahnhofsoffensive. In Form von barrierefreiem Online- und Mobileticketing oder der Bereitstellung von Informationsträgern für mobilitätseingeschränkte Personen bzw. in „leicht lesen“ werden aber auch andere Aktivitäten gesetzt.

Auch für Busreisende bringt Barrierefreiheit Vorteile. Der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) sieht die Erneuerung der Busflotten und die Modernisierung der Haltestellen vor. Busse mit Niederflureinstieg und Mehrzweckabteil etwa für Kinderwägen und Rollstühle, akustische Haltestelleninformation mit Umstieghinweisen sowie visuelle Haltestellenanzeigen sorgen für Erleichterungen. Für Bushaltestellen gelten neue Mindestanforderungen (barrierefreie Auftrittsfläche, etc.) an die letztlich auch die Zulassung der Haltestelle gebunden sein wird.

In Ergänzung zum öffentlichen Linienverkehr werden in manchen Gemeinden und Regionen bedarfsorientierte Mobilitätsangebote angeboten. Anrufsammeltaxis, Ruf- und Gemeindebusse gehen auf individuelle Mobilitätsanforderungen ein. Sie werden in der Regel von einem Trägerverein über bestimmte Zeiträume - oft als Pilotprojekt - betrieben. Beispiele wie das Anrufsammeltaxi „IST mobil – Bezirk Korneuburg“ oder der Gemeindebus Gerersdorf können je nach Betriebsform und Ausstattung der Fahrzeuge auch für Menschen mit Behinderung äußerst hilfreich sein. Sie können und sollen den öffentlichen Linienverkehr jedoch nicht ersetzen.

 

 

Wir danken Ing. Andreas Leeb, Vzbgm. Ing. Franz Schuster, DI Sanja Turkovic und DI Andreas Zbiral für ihre Beiträge zur Barrierefreiheit öffentlicher Räume im Rahmen der Fachtagung „Abbau von Barrieren“ am 14. Juni 2016 im MAMUZ Mistelbach.

Barrierefreie Kommunikation

 

Kommunikationsbarrieren kommen in Österreich alltäglich vor, nur dadurch gehen häufig Botschaften völlig an den eigentlichen Zielgruppen vorbei. Wer sich seiner Zielgruppe bewusst ist kann auch die Wahl der Sprache darauf ausrichten.

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In Österreich können rund 2 Millionen Menschen nicht gut lesen. So kommt es, dass häufig die Botschaft in der Wahl der Sprache und Gestaltung völlig an den eigentlichen Zielgruppen vorbei geht.

Fast jeder 4. Österreicher hat ein Lese- und Sprachproblem, die Ursachen sind vielfältig, eine geistige Behinderung, Lernschwäche, eine begrenze Bildung, soziale Probleme oder Deutsch nicht als Muttersprache. Schwierige Wörter, lange Sätze und umständliche Ausdrücke führen dazu, dass sich diese Zielgruppe verunsichert fühlt und dadurch falsch oder gar nicht handelt.

Versicherungen, Bescheide, Rechnungen, aber auch Webseiten, Zeitungen und Bücher bis hin zu Verkehrsschildern und Aushängen werden von den Betroffenen nicht sinnerfassend verstanden und können daher nicht umgesetzt werden.

 

Die Lösung des Problems – leichte Sprache.

Leichte Sprache richtet sich mit einfacher Wortwahl und klarem, kurzem Satzbau an diese Menschen. Sie besteht aus kurzen Sätzen mit einfachen, aktiven, anschaulichen Wörtern. Es gibt kein Passiv, keine Genetive, Konjunktive oder Fremd- und Fachwörter. Lassen sich schwierige Wörter nicht vermeiden, werden sie erklärt.

Das Recht auf barrierefreien Zugang zu Informationen für alle Menschen ist verbindlich, seit Österreich 2008 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert hat. Auch im Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz ist die Beseitigung von kommunikativen Barrieren verankert.

 

Tipps & Tricks

Um wirklich alle Interessierte zu erreichen ist es in einem ersten Schritt wichtig, sich zu überlegen welche Zielgruppe man ansprechen möchte. Ausgerichtet auf diese Gruppe, müssen die Texte formuliert und ein aussagekräftiges passendes Bild gefunden werden.

 

Beispiele

Wieviel Facetten die barrierefreie Kommunikation hat kann leicht am Beispiel einer Gemeinde gezeigt werden.

Im Rahmen der Fachtagung „Abbau von Barrieren“ wurden mit einem Experten der Leichten Sprache, Mag. Erich Korger (capito NÖ) drei Beispiele diskutiert.

In regelmäßigen Abständen werden Rechnungen und Bescheide an die Bürger ausgestellt. Verstehen wirklich immer alle Betroffenen was auf Sie zu kommt und was sich die Gemeinde von ihnen erwartet? Als gutes Beispiel kann hier die Einladung zu einer Bauverhandlung genannt werden.
Expertentipp: Fremdwörter müssen immer erläutert werden.
Als Beispiel nennt Mag. Korger hier die bereits umgesetzte Übersetzung der Bescheide der OÖ Landesregierung in Leichte Sprache. Auch das Land NÖ erarbeitet derzeit ein solches Modell. In Zukunft soll es in Niederösterreich alle Bescheide und Informationen bis auf das Leseniveau A1 heruntergebrochen geben.

Aber auch Amtstafeln sorgen oft für Verwirrung. Die Fülle an Informationen die hier meist in einem Schaukasten preisgegeben wird überfordert nicht nur Menschen mit Lese- und Sprachschwierigkeiten.
Expertentipp: Wichtig ist, die Inhalte eines Schaukastens nach Themen zu clustern. Das schafft zumindest Erleichterung in der Wahrnehmung. Wesentlicher Aspekt ist natürlich auch das Leseniveau der ausgehängten Informationen (siehe Beispiel 1).

Mit Gemeindezeitungen wollen Bürgermeister und Gemeindevertreter ihre Einwohner über Geschehnisse in ihrer Gemeinde informieren. Auch hier stellt sich die Frage ob Grafik, Layout sowie Wahl der Texte und Bilder von allen Bürgern sinnerfassend verstanden wird.
Expertentipp: Einfache Texte mit einem übersichtlichen Layout sowie einem dazu passenden Bild erleichtern die richtige Erfassung. Das wichtigste ist auch hier, dass man sich seiner Zielgruppe bewusst ist vor man mit der Gestaltung der einzelnen Artikel beginnt.

 

Wir danken Mag. Erich Korger (capito Niederösterreich) für seinen Beitrag zu Barrierefreien Kommunikation im Rahmen der Fachtagung „Abbau von Barrieren“ am 14. Juni 2016 im MAMUZ Mistelbach.

Barrierefreie Webseite

Webseiten müssen von allen Nutzern, unabhängig von ihren Einschränkungen oder technischen Möglichkeiten uneingeschränkt (barrierefrei) genutzt werden können. Wahrnehmen, verstehen, navigieren und interagieren muss im World Wide Web für alle Menschen gleich möglich sein. Auch hier gilt, die Vorteile bringen nicht nur Menschen mit Einschränkungen etwas, vielmehr profitiert der Betreiber der Webseiten durch mehr Kundenfreundlichkeit, bessere Strukturen und so auch einer leichteren Auffindbarkeit der Webseite im www.

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Die gesetzliche Voraussetzung zur Barrierefreieheit von Webseiten gibt es nicht erste seit dem Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz. Schon im E- Government-Gesetz ist geregelt, dass ab 1.1.2008 alle behördlichen Internet-Seiten in Österreich für behinderte Menschen ohne Einschränkungen zugänglich sein müssen. Mit dem Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz kam diese Regelung auch für Unternehmen und Organisationen, so müssen „Systeme der Informationsverarbeitung“ für alle Menschen ohne fremde Hilfe uneingeschränkt nutzbar sein.

Nach einer Online-Umfrage in Deutschland sind Menschen mit Behinderung überdurchschnittlich stark im Web aktiv. So sind Menschen ohne Behinderung rund 5,1 Tage pro Woche im Internet, Menschen mit Behinderung allerdings rund 6,5 Tage pro Woche. Darüber hinaus gilt auch hier, von eine barrierefreie Gestaltung profitieren alle Menschen. Und, eine barrierefreie Ausführung ist die „beste Suchmaschinenoptimierung“ die man machen kann!

 

Machen wir unseren Web-Auftritt barrierefrei!

Um Barrierefreiheit auf Webseiten zu schaffen müssen zwei Aspekte beleuchtet werden, die technischen Kriterien und die inhaltliche Ebene.

Im Bereich der Technik geht es darum, einerseits Menschen mit Sehbehinderungen, farbenblinden Menschen sowie der großen Gruppe der „älteren“ User Webseiten zu bieten mit ausreichend großer Schrift, guten Kontrasten und dem richtigen Farbenmix. Für Menschen mit Hörbehinderungen ist es wichtig für die Steuerung nicht nur alleine auf akustische Signale zu setzen. Zu diese technischen Komponenten können der Webdesigner und der Webprogrammierer weiter helfen.

Die inhaltliche Ebene umfasst die Punkte, die bereits im Artikel „barrierefreie Kommunikation“ beschrieben wurden. Wichtig ist, alle Texte der Webseite auf die Anforderung der eigenen Zielgruppe abzustimmen und möglichst eine leichte Sprache zu verwenden.

 

Anforderungen

Das Schlagwort zu barrierefreien Webseite ist WCAG 2.0 (Web Content Accessibility Guidelines 2.0). Diese Richtlinien geben Empfehlungen vor wie Webinhalte für alle Nutzergruppen, auch für Menschen mit Behinderungen, zugänglich gemacht werden können.

 

Tipps zum Check der eigenen Webseite

  • Logische Strukturen innerhalb der Webseite verwenden. So wird die Navigation vor allem für die Nutzer von adaptiver Technologien (z. B. Bildschirmlesern, Brailleausgabe, Bildschirmvergrößerung) erleichtert.
  • Auf die Lesbarkeit achten. Für Menschen mit geringem Sehvermögen ist die Wahrnehmbarkeit einzelner Buchstaben als auch die Lesbarkeit von Textblöcken wichtig (z.B. ausreichende Schriftgröße und Farbkontrast).
  • Schreibstil an das größtmögliche Publikum anpassen. Nur so können möglichst alle Nutzer die Inhalte sinnerfassend wahrnehmen.
  • Keyboard-Navigation aktivieren. Sie ist für Nutzer mit Sehschwäche eine zwingende Voraussetzung.
  • Aussagekräftige Alternativ-Texte bei Bildern verwenden. Soll ein Bild eine Botschaft vermitteln ist es wichtig diese im Alternativtext auch anzugeben für blinde Menschen.
  • Videos mit Ton transkribieren. Auch in Videos ist die Vermittlung von bildlich dargestelltem essentiell für sehbeeinträchtigte Menschen.
  • Nicht allein auf Farben vertrauen.
  • Links richtige benennen. Blinde Menschen orientieren sich auf Webseite über Verlinkungen, daher ist es ausschlaggebend wie diese bezeichnet werden.
  • Videos in Gebärdensprache. Für gehörlose Menschen ist die Gebärdensprache ihre Muttersprache, dementsprechend tun sich manche schwer mit der Schriftsprache. Um auch diesen Menschen die Inhalte zu vermitteln kann es hilfreich sein wesentliche Botschaften in Gebärdensprache wiederzugeben.

 

 

Wir danken DI Gerhard Nussbaum (Kompetenznetzwerk Informationstechnologie zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen) für seinen Beitrag zu Barrierefreien Webseiten im Rahmen der Fachtagung „Abbau von Barrieren“ am 14. Juni 2016 im MAMUZ Mistelbach.